Back to Future.
Technikvisionen zwischen Fiktion und Realität

Die Ausstellung ist vom 18. November 2020 bis 29. August 2021 im  Museum für Kommunikation Frankfurt zu sehen.

Die Ausstellung „Back to Future. Technikvisionen zwischen Fiktion und Realität“ ist eine Bildreise zu den technischen Visionen der Zukunft von gestern, die sich kreative Vordenker ausgedacht haben. Sie präsentiert ebenso euphorische wie kritische Technikvisionen zu Kommunikation und Mobilität und erzählt, auf welchem gesellschaftlichen Nährboden sie entstanden. Vielleicht hilft der Blick in diese historischen Zukünfte besser zu verstehen, welche Ängste und Hoffnungen wir heute in unsere Zukunft projizieren. 

Wie kommt das Neue in die Welt?

Angetrieben von Neugierde, Unzufriedenheit, Hoffnungen oder Ängsten erdenken Menschen seit Jahrhunderten technisch basierte Zukunftsvorstellungen. Meist sind sie von vorangegangenen Entwicklungen inspiriert. So befruchten sich fiktionale Literatur und reale technische Erfindungen oft gegenseitig: Ideen aus der Wirklichkeit werden in der Literatur aufgegriffen, neu kombiniert und ihre möglichen Auswirkungen weitergedacht – diese werden wiederum eine Inspirationsquelle für technische Entwürfe. Welche Idee genau auf eine andere Idee folgt, ist eine verschlungene Geschichte von Zufälligkeiten und Gleichzeitigkeiten, die sich kaum eindeutig nachzeichnen lässt.

Funktion von utopischem Denken

Hilft der Blick in die letzten 100 Jahre, um die nächsten 100 Jahre vorherzusagen? Die Geschichte zeigt, dass Vorhersagen über die Zukunft die Geschwindigkeit des technischen Fortschritts häufig unterschätzt haben. Vielleicht hilft aber der Blick in die historischen Zukünfte besser zu verstehen, welche Ängste und Hoffnungen wir heute in unsere Zukunft projizieren. Denn die prägenden Zukunftstechnologien unserer Gegenwart entdecken wir zum Teil in visionären Entwürfen vergangener Tage.

Fortschrittsoptimismus und Technikskepsis

Die gesellschaftliche Akzeptanz von technischen Erfindungen unterliegt dem Zeitgeist. Positive sowie negative Technikutopien entstehen vor allem in Phasen des beschleunigten technischen Wandels (z. B. Erster Weltkrieg), in Phasen großer Technologieoffenheit durch revolutionäre Erfindungen (z. B. Fliegen), in Phasen politischer Konflikte und militärischer Bedrohungen (z. B. Kalter Krieg) und in Phasen kritischer Technikbetrachtung (z. B. Umweltbewegung der 1970er Jahre). Es gibt keine Technologie, die nur gut für Menschen und Umwelt war. Vielleicht ist das auch ein Grund, dass Technikinnovationen in verlässlicher Regelmäßigkeit von Skepsis und Euphorie zugleich begleitet werden, die sich in grauenhaften oder paradiesischen Zukunftsvisionen entladen können.

Themenraum 1: Optimierung des Menschen

Kann man den Menschen verändern, anpassen oder gar neu erschaffen? Der Wunsch nach Optimierung findet sich schon in alten Erzählungen der Menschheitsgeschichte. Er offenbart sich in lebensrettenden Implantaten, smarten Sinneserweiterungen oder in Versuchen, Unsterblichkeit zu erlangen.

Ihren Ausgang nimmt diese Entwicklung in der Aufklärung: Der Mensch überlässt seine Entwicklung nicht länger einem möglichen Schöpfer, sondern nimmt sie in seine eigene Hand. Seinen Körper betrachtet er nun viel mehr als Maschine, die durch Eingriffe „repariert” werden kann.

Mit passenden „Ersatzteilen” fällt der wesentliche Grund für den Tod, das Versagen von Körperorganen, weg. Wie sich diese technischen Optimierungen auf das Zusammenleben auswirken, erkunden Science-Fiction Autor*innen in ihren Werken. Die Frage nach Unsterblichkeit ist bis heute Gegenstand gesellschaftlicher Debatten.

Themenraum 2: Grenzenlose Kommunikation

Menschen sollten miteinander kommunizieren können – überall und jederzeit. Dieser Wunsch treibt Visionäre im 19. Jahrhundert an und lässt sie von „Visiofonen“ oder „Telefonen in der Westentasche“ träumen. Sie sind inspiriert von der Telegrafie, die im selben Jahrhundert die weltweite Vernetzung beschleunigt und für das Gefühl vom Verschwinden der Ferne sorgt.

Ab Mitte des 20. Jahrhunderts wird das Telefon in Europa alltäglich und durch die Erfindung des Bild- und Mobiltelefons perfektioniert. Mit der Verbreitung des Internets scheint die letzte Hürde der Verständigung überwunden und das globale Dorf geboren: Utopisten träumen von frei zugänglichen Informationen für alle, ohne Sprachbarrieren, Falschinformationen oder politische Zensur. Ihre Träume sind bis heute aktuell.

Themenraum 3: Suche nach einer anderen Welt

Seit Jahrhunderten erträumen sich die Menschen neue Welten. Als Christoph Kolumbus vor rund 500 Jahren Amerika in den europäischen Blick rückt, verleiht er dem visionären Denken neuen Schub. Für die Menschen eröffnen sich neue Erfahrungshorizonte. Dazu zählen neben den neuen Kontinenten auch die Meere und die Himmelsgestirne.

Die Frage nach anderen Lebensorten verbindet sich mit dem Wunsch nach neuen Gesellschaftsformen. Visionär*innen, Literat*innen und Abenteurer*innen erhoffen sich bessere Zivilisationen. Kritische Denker*innen dagegen befürchten düsteres Leben auf unwirtlichen Planeten oder unter Wasser. Bis heute ist der Traum von einer besseren Gesellschaft in einem neuen Raum ungebrochen: 2034 möchte die amerikanische Raumfahrtbehörde NASA eine Mondstation bauen, um von dort aus den Mars zu erreichen.

Themenraum 4: Überwindung von Raum und Zeit

Lufttaxi, Zeitmaschine, Personenrohrpost – so und noch erfindungsreicher stellen sich Visionäre die Transportmittel der Zukunft vor. Ein Ziel haben alle kreativen Vordenker und mutigen Erfinder gemeinsam: die Überwindung von Raum und Zeit.

Vor allem im 19. Jahrhundert wetteifern die Tüftler um Geschwindigkeitsrekorde. Sie erfinden unzählige Transportmittel für Wasser, Straße, Tunnel, Gleise und Luft. Nicht selten werden diese auf abenteuerliche Weise miteinander zu sogenannten „Crossover-Utopien“ kombiniert.

Doch entwickeln nicht nur kühne Bastler, sondern auch Science-Fiction Autoren technische Visionen. Texte, Zeichnungen und Technik inspirieren sich so auf unterschiedlichste Weise gegenseitig.

Was inspirierte Tüftler vergangener Tage zum Hyperloop?

A: Die Rohrpost
B: Sternschnuppen

Auflösung: Antwort A ist korrekt

Hier ein Beispiel einer Rohrpost aus unserer eigenen Sammlung: „Rohrpostbüchse mit Zielkennzeichnung mittels Ring, Fernrohrpost“ aus dem Jahr 1956, Deutschland. Sammlung Museumsstiftung Post und Telekommunikation

Ist es möglich durch die Zeit zu reisen?

A: Ja
B: Nein
C: Jein

Auflösung: Antwort C

Es ist streng genommen möglich in die Zukunft zu reisen, jedoch nicht in die Vergangenheit.

Wie nannte man anfangs das Bildtelefon?

A: Telephonoscope
B: Visiofon
C: Telephotisches Apparat

Auflösung: Alle drei Antworten sind richtig

Im Jahr 1878 druckte das britische Satiremagazin „Punch“ diese Bildtelefon-Karikatur. Es sollte noch bis in die 1920er Jahre dauern bis es zu ersten Übertragungsversuchen kommen sollte.

Welche technischen Entwicklungen sagte Science-Fiction Autor Hugo Gernsback voraus?

A: Solarenergie
B: Bildtelefonie
C: ferngesteuerte Flugzeuge

Auflösung: A, B und C sind korrekt

Hugo Gernsback sagte alle drei Technologien voraus.

Was entwickelte die NASA, um Transportkosten zu sparen?

A) Eine aufblasbare Raumstation
B) Eine Ein-Mann Rakete
C) Einen speziellen Raumanzug, der eine Rakete ersetzen soll

Auflösung: A ist die richtige Antwort

Um Transportkosten zu sparen, entwickelt die NASA 1990 eine aufblasbare Raumstation. Ihr Name ist „TransHab“ als Abkürzung für „Trans Habitat“. Sie soll das Wohnmodul eines Raumschiffes für einen Flug zum Mars werden. Die NASA stellt das Projekt jedoch wegen zu hoher Kosten ein.

Wer hat das Beamen erfunden?

A: Die Wissenschaft
B: Die Science-Fiction Literatur

Auflösung: Antwort B ist korrekt

Tatsächlich hat die Science-Fiction Literatur und nicht die Wissenschaft das „Beamen“ erfunden. Seit den 1850er Jahren fasziniert Autoren diese Möglichkeit des Transports.

Die „poetischen Umwege“

Kunst steht für die Schöpfungskraft des Menschen, der sich mögliche Welten vorstellt. Schon in den ersten bekannten Höhlenmalereien hielten Menschen mit ästhetischen Mitteln ihre Umgebung fest, ordneten die Dinge darin und erfanden sie neu.

Die internationalen künstlerischen Positionen führen in die Themen der Ausstellung ein und geben Ansätze zum Weiterdenken. Als Schlüsselexponate eröffnen sie einen anderen Zugang zu den präsentierten technischen Visionen. Der Schlüssel zum Wechsel der Sichtweise ist der ermächtigte, der wissende und phantasievolle Mensch, also der Besuchende selbst.

Sechs internationale künstlerische Positionen verdichten die Themenräume, bieten aber gleichzeitig mehr Möglichkeitsraum für ein gedankliches Ab-und Umherschweifen, für ein Kokettieren mit Fakt und Fiktion. Die künstlerischen Exponate stehen so den Exponaten der kulturhistorischen Ausstellung gegenüber, reiben sich an ihnen, tragen über diese hinaus aber ein eigenes Mehr an Poesie, Möglichkeit und Innovation bei. Denn Kunst handelt immer vom Menschen – und um dessen Handlungsmacht geht es in dieser Ausstellung.

Ihr Besuch in Zeiten von Corona

Alle wichtigen Informationen zu Ihrem Museumsbesuch in Zeiten von Corona finden Sie auf der Website des Museums.

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